60-10-V-01 Ronja Hesse

Geschlecht: weiblich

Geburtsdatum: 05.05.1994

Liebe Mitglieder, liebe Verbandsaktive, liebe Interessierte,

ich bin der Überzeugung, dass eine starke Stimme von Student*innen auf Bundesebene, die sich für ein besseres Leben für alle, gute Studienbedingungen und für eine offene Hochschule und Gesellschaft einsetzt, ein wichtiger Bestandteil des politischen Geschehens sein kann und sollte. Ich möchte mich dafür einsetzen, dass der fzs diese Rolle auch weiterhin und verstärkt wahrnimmt. Daher bewerbe ich mich nach nunmehr fast vier Jahren politischer Mitarbeit in verschiedenen Gremien des fzs für einen Platz in einem Vierervorstand mit Kevin, Isa und Marcus.

Bei dieser Arbeit ist es zentral, dass die Hochschule als Teil einer Gesellschaft begriffen wird, welche vor allem kapitalistisch nach Verwertungsideologien strukturiert ist. Die Hochschule ist nicht entkoppelt von der Gesellschaft, und dieselben Ideologien, Ausschlüsse und Probleme existieren auch in ihr. Als Teil der Gesellschaft haben Hochschule und hochschulpolitisches Wirken Einfluss auf das Ganze, nämlich die Gesellschaft. Dementsprechend ist Bildungspolitik immer auch Gesellschaftspolitik.

In meinen vier Jahren hochschulpolitischer Arbeit habe ich einen breiten Einblick in eine Vielzahl bildungspolitischer Themen, Strukturen und Dynamiken gewonnen. Im nächsten Jahr plane ich, einige dieser Themen in den Fokus meiner Arbeit zu stellen, da ich diese als besonders zentral für das politische Geschehen erachte. Im Folgenden möchte ich euch einen Einblick in diese Themen ermöglichen. Mit den meisten habe ich mich bereits intensiv beschäftigt und sie sind mir auch persönlich sehr wichtig geworden. Grundsätzlich ist es mir in meiner politischen Auseinandersetzung, in der Theorie wie in der Praxis, wichtig zu versuchen, die Komplexität der Zusammenhänge der Gegenstände anzuerkennen, mich nicht mit verkürzten Analysen und einfachen Erklärungen zufrieden zu geben und entsprechend zu agieren.

Ein hochschulpolitisches Kernthema, welches ich im kommenden Jahr verstärkt auf die Agenda schreiben möchte, ist die Lehre. Lehre steht im Zentrum des Hochschulgeschehens, macht einen großen Teil des Studiums aus, strukturiert nicht selten den Alltag von Studierenden und sollte entsprechend ein Punkt sein, bei dem Studierendeninteressen maßgeblich sind. Leider wird Lehre zur Zeit jedoch nicht im Sinne der Interessen von Studierenden gestaltet, sondern ist oftmals getrieben von Prüfungsdruck und Zwängen verschiedener Art, die keinen Raum lassen für Individualität, Neugierde und persönliche Interessen. Es wird mehr als deutlich, dass nicht selten Bildung mit Ausbildung verwechselt wird und dass Wettbewerb und Verwertbarkeit auch in der Hochschulbildung zunehmend an Bedeutung gewinnen. Gerne würde ich im kommenden Jahr verstärkt zu einer Beschäftigung mit diesem Thema beitragen, bei dem es Überschneidungen zu den Inhalten der meisten Ausschüsse gibt, zu dem jedoch bisher eine aktuelle und umfassende Position fehlt. Ein studentischer Dachverband sollte jedoch Begriffe und Ideen davon haben, wie gute Lehre aussieht. Lehre und die Qualität dieser hängt zu großen Teilen an den Rahmenbedingungen, in denen sie stattfindet. Auf der einen Seite stehen die Bedingungen, unter denen Lehrende agieren. Denn für echte Veränderung müssen auch diese revolutioniert werden. Das meint primär weitreichende Forderungen nach besseren Arbeitsbedingungen an Hochschulen. Insbesondere der akademische Mittelbau steht unter dem immensen Druck, den prekäre Arbeitsbedingungen mit sich bringen. Diese verschärfen sich seit Jahren, aber von ernsthaften Versuchen einer Veränderung fehlt nach wie vor jede Spur. Im stetigen Wettbewerb der im akademischen Mittelbau Verorteten fällt zuallererst die Lehre hinten rüber. Dies wird weiter forciert durch ein Einstellungs- und Berufungsmanagement, welches vor allem die Publikationsstärke betrachtet. Das Resultat ist eine Kultur, in der Lehre an Hochschulen als sekundär betrachtet wird.

Aber auch die Bedingungen, in denen Studierende leben, tragen ihren Teil dazu bei, das Studium eher zu einem Wettlauf unter Notendruck zu machen als zu einer Zeit der intensiven und selbstbestimmten Auseinandersetzung mit den eigenen Interessen und dem eigenen Studium. Jede Person sollte ihr Studium in dem Tempo gestalten, das ihr richtig erscheint, aber zur Zeit sorgen ökonomische und soziale Gegebenheiten häufig dafür, dass besonders Student*innen ohne einen akademischen und/oder finanzstarken Hintergrund sich äußeren Zwängen beugen müssen. Studentische Sozialpolitik hin zum Erreichen eines sorgenfreien Studiums für alle, ebenso wie gute Arbeitsbedingungen für Student*innen, Wissenschaftler*innen und alle anderen, sind Themen, welche für die gesamte Hochschule und das Bildungssystem von hoher Bedeutung sind. Ich werde mich dafür einsetzen, dass der fzs als bundesweite Student*innenvertretung sich in Zukunft noch stärker hiermit auseinandersetzt. Es gilt dabei, die existenten Strukturen, Ideen und Kampagnen weiterzuführen und auszubauen. So zum Beispiel die Wohnraumkampagne oder die Vernetzung mit Gruppen wie unter_bau. Auch Lernfabriken …meutern ist an dieser Stelle zentral, da es die Möglichkeiten bietet, praktisch über die Hochschulen hinaus mit anderen Menschen im Bildungssystem zusammenzuwirken. Denn die meisten der oben beschriebenen Verhältnisse entstehen nicht erst in der Hochschule. Dieselben Zwänge und Ideologien sind auch Teil eines stark selektiven Schulsystems, und für echte Veränderungen müssen grundsätzliche gesellschaftliche und bildungspolitische Fragen und Probleme angegangen werden. Zentral muss hier sein, der neoliberalen Individualisierung etwas entgegen zu setzen und durch solidarische gemeinsame Aktionen, Proteste und Kämpfe Veränderungen zu erwirken.

Teil der Auseinandersetzung muss aber auch die Forderung nach echter Partizipation aller an der Hochschule beteiligter Menschen sein. Dazu gehört echte Demokratie und in der akademischen Selbstverwaltung mindestens eine Viertelparität. Denn ohne eine Gleichstellung in den Entscheidungsstrukturen der Hochschulen ist ein Dialog auf Augenhöhe verunmöglicht und langfristige Verbesserungen für diejenigen, die gerade in einer marginalisierten Position sind, schwer zu erwirken.

Darüber hinaus ist es wichtig zu betonen, dass schlechte Studien- und Arbeitsbedingungen an Hochschulen diejenigen am härtesten treffen, die ohnehin bereits mit Diskriminierung oder sozialer Ausgrenzung zu kämpfen haben. Dies bringt mich zu einem weiteren zentralen Thema, welches mir auch persönlich sehr wichtig ist: Geschlechtergerechtigkeit und Feminismus im Verband und überall. Die Auseinandersetzung mit diesem Themenkomplex darf jedoch nicht auf einzelne Akteur*innen im fzs abgewälzt werden, sondern sollte selbstverständlich von allen Verbandsaktiven als Querschnittsthema mitgetragen und mitgedacht werden. In den vergangenen Jahren ist in diese Richtung viel passiert, gerne möchte ich diese positive Entwicklung weiter begleiten und vorantreiben.

Schließlich sind weitere Themen, welche mich vor allem im letzten Jahr in meiner politischen Praxis im fzs und in Lüneburg beschäftigt haben, Antifaschismus und Erinnerungspolitik. Ich habe große Lust, weiter hierzu zu arbeiten, und bin von der Wichtigkeit der Themen überzeugt. Besonders im Angesicht erstarkender rechter Gruppen und Parteien und eines wachsenden Einflusses dieser ist es unabdingbar, dass sich ein bundesweit agierender Student*innenverband kontinuierlich mit der Problematik auseinandersetzt und ihr etwas entgegen zu setzen hat. Die Initiative des letzten Vorstandes, politische Bildung gegen Rechts im fzs verstärkt zum Thema zu machen, möchte ich gerne weiterführen und mich der Etablierung und Weiterentwicklung der Aktionswochen “never again” widmen. Auch die anstehenden Landtagswahlen kritisch zu begleiten, bei denen die AfD vermutlich erstarken und andere Parteien weiter nach rechts rücken werden, wird im Kontext der Arbeit gegen Rechts wichtig. Um dies zu erreichen ist eine gute Zusammenarbeit mit Landesstrukturen und anderen Gruppen erforderlich, wofür ich mich einsetzen werde.

Solltet ihr im Vorhinein Fragen, Anregungen oder Kritik haben, freue ich mich über eine Nachricht. Ihr erreicht mich unter: ronja.hesse@gmx.net

Biographie

Studium

  • Seit Okt. 2014 - Bachelor of Arts in Studium Individuale - Universität Lüneburg
Ehrenamt
  • Seit April 2016 - Studentisches Mitglied im Senat - Universität Lüneburg
  • Seit Okt. 2015 - AStA Universität Lüneburg, dort unter anderem:
    • Referentin des Politik Referats
    • AStA-Sprecherin
  • Juni 2015 - Okt. 2016 - Koordinatorin der LandesAStenKonferenz Niedersachsen
  • Seit Mai 2015 - freier zusammenschluss von student*innenschaftem, dort unter anderem:
    • Ausschuss Frauen- und Genderpolitik
    • Antidiskriminierungsbeauftragte
    • Ausschuss Internationales
    • AK Politische Bildung und Antifaschismus
  • Seit Jan. 2015 – Student*innenparlament Universität Lüneburg
Einen detaillierteren Lebenslauf findet ihr hier:

PDF

Download (pdf)