60-10-V-02 Kevin Kunze

Geschlecht: männlich

Geburtsdatum: 27.11.1991

Liebe Student*innen, liebe Studierendenvertretungen, liebe Verbandsaktive, liebe Interessierte,

nach über drei Jahren fzs-Aktivität und sechs Jahren Studi-Vertretung auf verschiedensten Ebenen möchte ich mich gemeinsam mit Ronja, Isa und Marcus als fzs-Vorstand bewerben und auf dieser Ebene meine Erfahrungen einbringen und die Inhalte des Verbandes vertreten und Position beziehen.

Student*innen befinden sich innerhalb der Hochschule aktuell ständig in Opposition zu den vorherrschenden Strukturen und Politiken – spätestens, wenn sie für bessere Studien- und Arbeitsbedingungen streiten, denn der Verwertungszwang ist gerade in diesen stark zu spüren, dazu passend sorgen ein fehlgeleitetes Bildungsverständnis und ein krudes Menschenbild vor allem dafür, dass die Student*innen nicht als gleichberechtigt agierende Subjekte behandelt werden, die sich am stetigen kritischen Austausch mit Wissenschaft und Lehre in freier Bildung beteiligen sollen, sondern als zu erziehende und zu beschulende quantifizierbare Objekte, deren Verhalten angepasst zu sein hat, oder aber als Störung des ordentlichen und durchgeplanten Betriebsablaufes verstanden werden, wodurch Mechanismen wie Anwesenheitspflichten sowie andere Formen des Überwachens und der ständigen Kontrolle und Prüfungszwang, Zwangsexmatrikulationen, Gängelungen bei Ausfällen durch beispielsweise Krankheit und andere Abbilder von Strafen ihre Legitimation erhalten.

In meinem hochschulpolitischen Engagement war mir von Anfang an ein gutes Studium an einer demokratischen Hochschule wichtig. Ich setze mich gerne mit Studienstrukturen, Studienbedingungen und ihren Grundlagen in Prüfungsordnungen oder der Hochschulstruktur auseinander und streite stetig auch um kleinste Verbesserungen, das Ideal immer im Blick.

Ich werde einstehen für eine Wissenschaft, die kooperativ an den drängenden Fragen unserer Zeit arbeitet, nicht davor zurückschreckt, gegen den Strom zu schwimmen und sich in die Gesellschaft einmischt. Dazu gehört es auch, genau das in der Lehre vorzuleben. Das Studium muss dazu befähigen, mit Wissenschaft die Welt zu verstehen und sie zu gestalten. Eine gute Bildung ermöglicht uns Argumente methodisch abzuwägen, Quellen zu überprüfen, Behauptungen kritisch einzuordnen und – vielleicht am wichtigsten – unseren eigenen Standpunkt zu verlassen, von uns selbst zurückzutreten und die Perspektive zu wechseln. Wissenschaft kann unser Mittel sein, uns gegen Zwänge, Autoritäten und Herrschaftsverhältnisse zu richten und uns davon zu befreien. Diese Verhältnisse sind gemacht und nicht naturgegeben. Bildung muss dazu befähigen, sie zu begreifen und sie aufzubrechen. Sie wird uns allerdings nicht einfach alleine, einfach so, von Normen, Vorurteilen, Benachteiligungen, Mängeln jeglicher Art befreien. Sie ermöglicht uns aber, das selber zu tun und Entwürfe für ein Leben zu entwickeln, das orientiert ist an Fähigkeiten und Bedürfnissen und keine Schablone vorgibt, an die sich alle anzupassen haben.

Die aktuellen Bedingungen von Studierenden, Lehrenden und Forschenden sind jedoch ein enormes Hindernis dafür. Darum möchte ich mich gemeinsam mit eben diesen dafür einsetzen, Hochschule und Wissenschaft von externen Zwängen zu befreien und die Hochschulen für alle zu öffnen, die sie besuchen möchten. Gute Studienbedingungen bedeuten allerdings nicht nur die Nähe zur Forschungspraxis in der Lehre, oder das Aufgreifen von aktuellen Debatten, sondern sehr viel mehr.

In meiner Aktivität im AStA der Uni Lüneburg, mal als einfaches Mitglied von AStA-Referaten oder Arbeitsgruppen, mal als Sprecher, habe ich die Verbesserung der Studienbedingungen und eine kritische Auseinandersetzung mit Strukturen von Hochschule und Gesellschaft immer sehr vielfältig angestrebt. Von der Organisation des Semestertickets, der Mitarbeit in der Einführung vom Semesterticket Kultur als einem der ersten in der BRD, der Einrichtung des Fahrradverleihsystems „StadtRAD Lüneburg“ als Pilotprojekt für andere Hochschulstädte, über die Initiation der gesellschaft.macht.geschlecht-Aktionstage in Lüneburg, der Organisation des Lüneburger fclr-Ablegers „coraci“, der Entwicklung des AStA-eigenen Seminarangebotes „Alternative Lehre“, der Konzeption eines vom AStA betriebenen Café-Bistros auf dem Unicampus, der Arbeit mit der LAK Niedersachsen – gemeinsam mit der LAK Bayern – bis zur Abschaffung der allgemeinen Studiengebühren 2014, der Wiedereinführung einer regelmäßigen AStA-Zeitschrift, ebenso wie der Herausgabe des Readers „Diskriminierung begegnen“ sowie des Sammelbandes „Eine Universität für das 21. Jahrhundert? 10 Jahre Leuphana. Eine kritische Festschrift“, der Organisation vieler Veranstaltungen aus allen möglichen Bereichen, dem stetigen Abarbeiten am Prestigebau von Daniel Libeskind an der Uni Lüneburg inklusive der Auswertung etlicher geleakter Dokumente aus Politik und Prüfbehörden, der Gründung von „Lernfabriken …meutern!“ 2015 oder dem Beitritt zum und der Aktivität im fzs – ich habe mich nie mit bloßer Bestandsverwaltung zufriedengegeben und möchte das auch im Vorstand des fzs nicht tun.

Ich möchte mich insbesondere damit auseinandersetzen, wie wir studieren, auf welche Art Lehre stattfindet und wie sie tatsächlich dazu begeistern kann, sich selbstständig Inhalte anzueignen, an eigenen Fragestellungen zu arbeiten und Lösungen zu entwickeln. Dabei ist mir die Balance zwischen dem rein wissenschaftlichen Interesse an Forschungsarbeit und dem Interesse an Anwendungsorientierung wichtig. Beides hat seine Daseinsberechtigung an Hochschulen, sollte aber nie in Konkurrenz zueinander stehen, sondern Orientierung und Auswahl ebenso wie neue Perspektiven bieten. Dazu möchte ich diese Themen systematisch im Verband behandeln, Positionierungen entwickeln und ausweiten und Perspektiven, bestenfalls gemeinsam mit Lehrenden und Lernenden, finden und verbreiten. Nicht zuletzt sollte in diesem Rahmen eine Vernetzung von selbstorganisierten Lehrangeboten von Studis für Studis stattfinden.

Ein weiteres Anliegen ist mir eine kritische Wissenschaft. Diese muss sich ihrer gesellschaftlichen Verantwortung bewusst sein und nicht vor Einmischung in gesellschaftliche Debatten zurückschrecken. Wissenschaftler*innen dürfen nicht ohnmächtig danebenstehen, wenn Freiheitsrechte abgebaut, lebensunwürdige Verhältnisse ausgebaut und die Lebensgrundlagen zerstört werden. Die Wissenschaft muss standardmäßig gesetzt sein auf dem Feld dieser Diskurse und muss sich diesen Platz einfordern, anstatt sich in das nächste halbrelevante Förderprojekt zurückzuziehen. Sie darf nicht bloß einen müden Abwehrkampf gegen Angriffe aus dem rechten Lager führen, sondern muss sich offensiv mit eigenen Themen einbringen, dem Rechtsruck den Wind aus den Segeln nehmen und Alternativen anbieten. Um konkret dazu zu arbeiten ist auch von Seiten des fzs genau diese Einmischung notwendig, genau wie die Unterstützung der Strukturen vor Ort, Räume zu schaffen, in denen kritische Wissenschaft einen Platz hat. Nicht zuletzt müssen Initiativen von kritischen Wissenschaftler*innen unterstützt werden.

Um eine solche Wissenschaft zu ermöglichen, muss sich die Struktur von Wissensproduktion grundlegend ändern. Unterfinanzierung öffentlicher Bereiche, Hierarchisierung der Hochschulen und Projektitis bei Forschenden gehen Hand in Hand. Die akademische Selbstverwaltung ist flächendeckend zahnloser als je zuvor, hat wenig eigene Kompetenzen, wenn sie denn überhaupt Beratungs- und Informationsrecht hat, ist durch die Abhängigkeit zur Hochschulleitung auf Abnicken getrimmt und grundsätzlich ausschließend strukturiert. Über die Grundlagen dieser Strukturen, ihre Vorbedingungen und Alternativen sollte der Verband aufklären und konkrete Gegenentwürfe zeigen. Auch sollten wir diese Diskussion nie verstummen lassen.

Mit der Motivation, an diesen Schwerpunkten und etlichen weiteren Themen zu arbeiten, bewerbe ich mich gemeinsam mit Isa, Ronja und Marcus als Vorstand des fzs. Ich stehe auch im Vorfeld der Mitgliederversammlung natürlich schon für Fragen und Feedback zur Verfügung und freue mich auf eine tolle 60. MV.

Biographie

Unter Biographie findet ihr jeweils kurze Informationen, die ausführlicheren Lebensläufe gibt es hier: https://www.dropbox.com/sh/1dj8tyhlhqkofue/AABNsUdzJgKWW5jLjwaQx7bga?dl=0

  • Schulbesuch in Hamburg, dann Studium in Lüneburg
  • Bachelor in Wirtschaftspsychologie und Philosophie, jetzt Masterstudium der Kulturwissenschaften
  • Hochschulpolitik seit Anfang 2011 in allen möglichen Facetten
    • 2012 - 2017: Mitglied des StuPa
      • von Sep. 2013 bis Jan. 2015 StuPa-Vorsitz
    • seit 2012 Mitwirkung im AStA, u.a. als:
      • AStA-Sprecher
      • Mitglied im Unikino-Referat
    • 2014 - 2016: Mitglied im Senat
    • 2014 & 2017: Mitglied im Fakultätsrat (erst Wirtschaftswissenschaften, dann Kulturwissenschaften)
    • Sep. 2015 - Apr. 2016: Koordinator der LAK Niedersachsen
  • fzs-Aktiv seit Lüneburgs erster MV als Mitglied im AS, sowie danach in den Ausschüssen VSPM, FGP und aktuell HoFiHoSt
 
  • Erste fzs-Veranstaltung: HoPo-Einsteiger*innen-Seminar 2012 in Lübeck
  • erster Kontakt zum fzs: Frage nach Mitarbeit im AK Semesterticket, 2011. Die Antwort steht noch aus.
  • Erstes Ehrenamt: Blumendienst in der 1c

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