61-7-I-04 Regelstudienzeit ist nicht die Regel

AntragstellerInnen:

AS (Ausschuss der Student*innenschaften)

Für uns Studierende ist die Regelstudienzeit eines dieser Konstrukte, welche als ständige Bedrohung über uns schwebt.
Die Regelstudienzeit scheint das Ideal darzustellen, in welcher Zeit wir unser Studium erfüllen sollten, während alles andere als außergewöhnlich und zu lang gilt. Wer kennt nicht die Fragen der Eltern, wann man endlich fertig sei, wenn die Regelstudienzeit doch schon erreicht sei. Hinzu kommt nicht zuletzt der persönliche Druck, da der Name „Regelstudienzeit“ doch nahe legt, dass dies die Regel zu sein habe.
Doch nicht nur ideell wird Druck erzeugt, auch materiell wird es oft ungleich komplizierter, wenn mensch diese „Regel“ nicht einzuhalten scheint: Staatliche Gelder wie BAföG sind daran geknüpft oder der studentische Status für günstige Krankenkassenbeiträge. Auch die Hochschulen und Länder unternehmen allerhand, um einen Studienabschluss nach Überschreiten der Regelstudienzeit zu erschweren, indem sie beispielsweise Langzeitstudiengebühren erheben oder Studierende teilweise sogar exmatrikulieren. Dabei schließt die Mehrheit der Studierenden – insbesondere in den Geisteswissenschaften – ihr Studium nicht in der Regelstudienzeit ab und die Regelstudienzeit ist alles andere als die Regel.
Dies sind Gründe genug, um sich gegen das Konzept der Regelstudienzeit stark zu machen. Der Begriff ist ursprünglich daran geknüpft, Rahmenbedingungen einzufordern, die das Studieren in einer bestimmten Zeit ermöglichen sollen und daher notwendig sind, um die Studierbarkeit der Studiengänge zu gewährleisten.
Daher bedarf es dringend einer genaueren Betrachtung der damit verbundenen Ziele und einer klaren Positionierung unsererseits dazu; denn wir wollen ein individuell gestaltbares Studium, welches uns nicht in Normen zwingt und allen ermöglicht, ihr Studium erfolgreich abzuschließen.

Studierbarkeit gewährleisten
Auch weiterhin ist es notwendig für Studierende, dass die Studierbarkeit ihrer Studiengänge gewährleistet ist. Innerhalb einer gewissen Zeit müssen alle erforderlichen Lehrveranstaltungen und Module angeboten werden, um Studierenden zu ermöglichen, innerhalb eines planbaren Zeitraums ihr Studium zu absolvieren. Dabei sollte beispielsweise vermieden werden, dass das Nicht-Bestehen einer Prüfung das Studium gleich um mehrere Semester verzögert. Außerdem muss dafür gesorgt werden, dass notwendige Kurse regelmäßig und mit ausreichenden Kapazitäten angeboten werden.
Dieser Aspekt der Studierbarkeit stellt einen wesentlichen Aspekt bei der Akkreditierung von Studiengängen dar. Doch der Begriff der Regelstudienzeit wirkt hier schwammig und erzeugt das falsche Bild einer Norm, welche nicht bestehen kann. Der Begriff legt nicht gerade nahe, dass es dabei darum gehen sollte, den Fokus auf das strukturelle Angebot zu richten.

Unsere Forderungen:
– Regelstudienzeit darf kein Akkreditierungsmerkmal sein. Wir fordern in den Akkreditierungskriterien deutlich zu machen, um was es Studierenden in diesem Punkt geht, sowie den Begriff der Regelstudienzeit aus der Musterrechtsverordnung zu streichen und durch sinnvolle Konzepte zu ersetzen: Wichtig ist die Bereitstellung der Strukturen, ein Studium in einer bestimmten Zeit studierbar zu machen und die dafür benötigten Angebote zu schaffen. Insbesondere Paragraph 3, Absatz 2 muss dahingehend überarbeitet werden (http://www.akkreditierungsrat.de/fileadmin/Seiteninhalte/KMK/Vorgaben/Musterrechtsverordnung.pdf).
– Wir unterstützen die Vertreter*innen im studentischen Akkreditierungspool dabei, sich weiterhin gegen eine normative und für die Studierenden nachteilige Verwendung des Konzepts einzusetzen.

Bessere Planung nach Studiendauer
Eine Planung der Kapazitäten der Hochschulen nach Regelstudienzeit, wie im Hochschulrahmengesetz festgelegt, ist nicht möglich. Bisher lautet die dortige Formulierung: „Die Regelstudienzeit ist maßgebend für die Gestaltung der Studiengänge durch die Hochschule, für die Sicherstellung des Lehrangebots, für die Gestaltung des Prüfungsverfahrens sowie für die Ermittlung und Festsetzung der Ausbildungskapazitäten (§ 29 Abs. 1) und die Berechnung von Studentenzahlen bei der Hochschulplanung.“ https://www.gesetze-im-internet.de/hrg/HRG.pdf Gute Lehre kann allerdings nur sichergestellt werden, wenn sich die Planung an der tatsächlichen Studiendauer orientiert, welche individuell und aus unterschiedlichsten Gründen verschieden ist. Da die tatsächliche Dauer des Studiums die Regelstudienzeit meist über- aber nicht unterschreitet, kann der tatsächliche Bedarf aufgrund dieser Zahlen nicht ermittelt werden und die notwendigen Kapazitäten können nicht gewährleistet werden.
Dagegen wäre es notwendig, Studienverläufe differenziert zu erfassen und zu berücksichtigen, um zu sehen, wo ein längeres Studium gewünscht ist und wo sie aus verschiedenen Problemen oder Hürden resultieren. Auch Gründe für einen Abbruch sollten genau analysiert werden. Die genauen Zahlen und Gründe sollten ausschlaggebend für die Planung des Lehrangebots sein.

Unsere Forderungen:
– Die Planung der Studiengänge soll sich am tatsächlichen Bedarf und den Studienverläufen orientieren.
– Das Hochschulrahmengesetz soll entsprechend überarbeitet werden und der Begriff der Regelstudienzeit ersetzt werden.
– Hochschulen sollen Studienverläufe und -abbrüche differenziert erfassen und analysieren.

Individuelle Studiendauer
Die Studiendauer ist individuell sehr verschieden. Unter Berufung auf die Regelstudienzeit erfahren jedoch viele Studierende Benachteiligungen, wenn sie länger als diese scheinbare Norm für ihr Studium benötigen. Direkt nach verstreichen der Regelstudienzeit ist das Beziehen von Bafög nicht mehr möglich, auch andere Sozialleistungen sind an die Regelstudienzeit geknüpft. Dies ist nicht gerechtfertigt, da die Regelstudienzeit nicht der tatsächlichen Dauer des Studiums entspricht. Politisch abzulehnen ist die Regelstudienzeit folglich, weil sie individuellen Bildungswegen entgegensteht und zahlreichen Studierenden das Abschließen ihres Studiums erschwert oder sogar verunmöglicht. Gerade Zwangsexmatrikulierungen aufgrund der Semesterzahl sind abzulehnen, da der Abschluss des Studiums immer im Vordergrund stehen muss und Studierende dabei individuell zu unterstützen sind. Auch Langzeitstudiengebühren erschweren das Studium unnötig, indem sie Studierende zusätzlich zum Studium in die Lohnarbeit zwingen.
Gerade in höheren Semestern sollten vielmehr Angebote und Lernbedingungen geschaffen werden, die die Studierenden dabei unterstützen, ihr Studium erfolgreich abzuschließen.

Unsere Forderungen:
– Soziale Leistungen, Bafög oder Krankenkassenbeiträge sollen sich nicht an der Regelstudienzeit oder bestimmten Semesterzahlen orientieren.
– Landesregierungen haben dafür Sorge zu tragen, dass es für die Hochschulen von Vorteil ist, Studierende hin zu ihrem Abschluss zu begleiten und dabei zu unterstützen, ihr Studium abzuschließen. Exmatrikulationen aufgrund der Semesterzahl sind abzulehnen und sollten zu Nachteilen für diejenigen Hochschulen führen, die dies aufgrund der Semesterzahl tun. Die Finanzierung der Studienplätze durch Bund und Länder darf nicht an die Einhaltung von Regelstudienzeiten und damit verknüpften Kennzahlen gekoppelt werden.
– Langzeitstudiengebühren sind abzuschaffen.

Begründung:

Ergibt sich aus der Stellungnahme und den Forderungen.

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    Änderungsanträge

    Zeile AntragstellerInnen Text Begründung Verfahren
    16 Phillip Stöcks

    streiche: -in den Geisteswissenschaften-

    dieser Aussage ist falsch: https://www.zeit.de/studium/hochschule/2014-02/infografik-studium-abschluss-regelstudienzeit
    24 Ben Seel

    Streiche “dringend“ nach “Daher bedarf es“.

    Das Wort passt nicht in den Satz - die Analyse davor legt nahe, dass es keine zeitliche, sondern eine kausale Notwendigkeit gibt, sich das Problem genauer anzusehen.

    Änderungsantrag zu 61-7-I-04 erstellen

    Zeile




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