61-5-6-ESC Bericht zur 36. European Students Convention [ESC] in Wien

AntragstellerInnen:

Ronja Hesse, Nathalie Schäfer, Michael Schiefelbein und Ben Seel

Vom 23.-26. September 2018 fand in Wien die 36. European Students Convention (ESC) der European Students Union (ESU) statt. Für den fzs waren Ronja Hesse, Nathalie Schäfer, Michael Schiefelbein und Ben Seel als Delegation vor Ort. Sie fanden einen Haufen Schnitzel, eine Menge Satzungsdebatte und einige wichtige Informationen zum Stand des Bolognaprozesses am Tatort vor. Unerschrocken zogen sie sich ihre Trenchcoats über, trotzten selbsterklärt charmanten Wissenschaftsministern zweifelhafter Regierungskoalitionen und warfen sich in die Ermittlungsarbeit im Grantl- und Drogensumpf des Molochs: Vienna Calling.[1]

Opening Ceremony

Der erste Tag des ESC begann mit einer Eröffnungszeremonie im Haus der Musik. Nach einer inhaltsleeren Eröffnungsansprache von Adam Gajek, dem Präsidenten von ESU sprach Heinz Faßmann (ÖVP), der Österreiche Wissenschaftsminister.

Faßman rechtfertigte das Vorgehen seiner Regierung, nicht nur hinsichtlich der Einführung von Studiengebühren, sondern auch hinsichtlich des zu dem seit knapp einem halben Monat bestehenden 12 Stundentag für Arbeitnehmer*innen. Auch zu den Zulassungsbeschränkungen für Hochschulen, welche die Österreichische Regierung einführt, positionierte er sich indem er diese verteidigte und relativierte.

Außerdem verteidigte er Anwesenheitspflichten und warf im gleichen Atemzug den Student*innen vor, ihr Studium nicht ernsthaft zu betreiben, was sich v.a. darin wiederspiegeln würde, dass Student*innen in seinen eigenen Veranstaltungen und Vorlesungen, die er zu seiner Zeit als Professor gab, abwesend gewesen seien. Dabei betonte er seine charmante Art zu unterrichten.

Anschließend zerpflückten die ÖH-Vorsitzenden Marita Gasteiger (Gras) und Hannah Lutz (VSSTÖ) die Rede des Ministers. Während Marita stärker auf den Rechtsruck in Europa und die Einschränkung von Wissenschaftsfreiheit und Studentischer Selbstverwaltung einging, positionierte sich Hannah unter anderem zum 12-Stunden Tag.

Im Anschluss hat Martin Unger vom österreichischen Hochschulforschungsinstitut eine Zusammenfassung zu Eurostudent 2018 vorgestellt und hierbei den Themenaspekt soziale Dimension stärker beleuchtet. Das gesamte survey von Euro Student ist hier einzusehen: http://www.eurostudent.eu/

Danach gab es Essen auf Kosten der Österreichischen Regierung. Wenig verwunderlich wurde davon allen – zumindest großen Teilen der fzs-Delegation – schlecht. Dennoch war die Delegation (gerade noch so) in der Lage die anschließenden Workshops am Nachmittag zu verfolgen.

  1. Workshopphase 

WS1 Bologna Process, mapping the way to 2020: Adam Gajek, ESU

Im Workshop von Adam wurde die Aufstellung der Arbeitsgruppen im Bolognaprozess ebenso wie ihre jeweilige Leitung bekanntgegeben. Darüber hinaus wurde der grobe Zeitplan bis zur Bolognakonferenz in Italien im Mai 2020 vorgestellt. Außerdem wurde abgefragt wer grade Kontakt zu seinen NBFUG’s hat und wer weiß ob wer wohin entsendet wird. Da der fzs Teil der NBFUG in Deutschland ist konnten wir berichten dass Deutschland – damals vermutlich – die fzs-Vertreterin Ronja Hesse für die Working Group on Social Dimension benennen wird. Die Vermutung hat sich bewahrheitet.

WS2 Economization of Education: Janine Wulz, Beate Treml, ÖH

In einem sehr guten und inhaltlichen Workshop wurde Kommodifizierung von Bildung praktisch erklärt und anhand von Beispielen diskutiert. Dabei wurden tiefergehende Strukturen angedeutet. Gerade angesichts des unterschiedlichen politischen wie Erfahrungshintergrunds der Teilnehmer*innen war der Workshop sehr gelungen, da er alle auf einen Stand brachte und die Teilnehmer*innen in die Lage versetzte die Ökonomisierungsprozesse kritisch zu reflektieren. Nicht zuletzt dank dieses Workshops konnte es der Delegation im nachhinein auf dem weiteren ESC und dem sich anschließenden Seminar gelingen, endlich ausreichend Bewerber*innen für ESUs “Task Force on Commodification“ zu gewinnen.

WS3 Technologies of Learning: Mag.a Maria Haas, TU Graz 

Maria Haas stellte in einem spannenden Vortrag ihr Forschungsgebiet, digitale Lernstrategien, vor. Insbesondere wurden digitale Lernangebote, so genannte MOOCs besprochen. Dies sind im Grunde digitale Vorlesungen/Seminare. Möglichkeiten und Beschränkungen solcher Angebote wurden besprochen: Gerade für ländliche Gegenden oder Regionen mit eingeschränktem (Hoch-)schulsystem haben diese MOOCs ein enormes Potential. aber auch in den Debatten um (möglicherweise digitale) Europa-universitäten werden diese Ideen virulent. Wer sich das Konzept mal anschauen möchte:

https://imoox.at/mooc/

Als beim Kaffeetrinken das Quotierungsproposal des EC nochmals besprochen wurde, verflog teilen der Delegation das flaue Gefühl im Magen nicht: So langsam wurde den Delegierten klar, dass die da was ganz großem auf der Spur waren. So ein Essen kann doch nicht grundlos so krank machen!

  1. Workshopphase

WS1 European parliament elections 2019: Katrina Koppel ESU

Katrina stellte in ihrer Session das Vorgehen ESU’s zu den European Parliament Elections 2019 vor.  Dabei wolle man sich auf drei Themen fokussieren (die zu diesem Zeitpunkt nur grob angerissen wurden), und vor allem junge Menschen dazu aufrufen für Education wählen zu gehen. Die inhaltliche Gundlage für die Kampagne soll ein Statement werden, dass auf dem Board Meeting in Budva, Montenegro beschlossen wird. In einem knappen Austausch wurde die Bereitschaft der Unions abgefragt sich an einer Kampagne zu beteiligen. Die fzs Delegation signalisierte sich an einer Kampagne zu beteiligen und sie ggf. zu erweitern und hub die politische Ausrichtung positiv hervor, wobei überaus politische Inhalte von verschiedenen Unions wie etwa ISO als problematisch bewertet wurden.

WS2 GDPR and Copyright policy: João Martins, ESU

In einer eher kleineren Gruppe diskutierten wir – unterstützt durch eine Power-Point-Präsentation von João über die Umsetzung der Europäischen Datenschutzverordnung und die Gefahren der von der EU derzeit diskutierten Urheber*innenrechtsreform für die Freiheit im Netz. Dabei wurde insbesondere klar, dass neben den öffentlich bereits – zeitweise – viel diskutierten Uploadfiltern, welche die Memekultur existentiell bedrohen, auch auf die weiterhin nicht ausgeschlossene Möglichkeit einer “Linksteuer“ zu achten sein wird. Die Bestrebungen eines europäischen Leistungsschutzrechts könnten dazu führen, dass bereits für Verlinkungen Geld an die Verlage der verlinkten Artikel abzugeben wäre. Leider ist trotz des offensichtlichen Irrsinns einer solchen Regelung die derzeit in der Richtlinie enthaltene Formulierung alles andere als klar und sie schließt eine solche Möglichkeit (je nach Interpretation) mit ein. Die Session zeigte sehr schön die Notwendigkeit für ESU auf, sich auch mit Fragen jenseits von (Kern-)Hochschulpolitik zu beschäftigen, da aus diesen Themen gravierende Folgen für die Wissenschaftslandschaft entstehen können.

Außerdem fanden noch diese Workshops statt, welche leider kein Teil unserer Delegation besuchen konnte:

WS3 Bologna and its Myths: Regina Aichner, OEAD

WS4 Membership and capacity building: Robert Henthorn,ESU 

Anschließend an den Tag gab es ein Buffet mit Wiener Schnitzel und anderen Speisen. Der fzs-Delegation war (zum Teil) aber immer noch schlecht aufgrund der Österreichischen Regierung (s.o.), weshalb sie das Essen nicht genießen konnte (oder die Delegation war eh zu Veggie für die Schnitzel).

Workshopphase 3

Der zweite Tag begann mit Workshops, wobei politisch vor allem die Diskussion möglicher Satzungsänderungen in ESU auf dem Programm stand. Unerfreulicher Weise war diese Diskussion parallel zu inhaltlichen Workshops geplant, weshalb die Delegation verschiedene Prioritäten setzen musste und nicht an allen Workshops teilnehmen konnte.

 

WS1 Draft proposal for changing ESU elections ESU, discussion

Die Satzungsdiskussion war ein Schwerpunkt der politischen Arbeit in ESU für den fzs, der sich auch bis zum BM in Montenegro durchziehen sollte. Im Kern ging es um die Frage, wie eine Quotierung der Präsidentschaft und des Executive Committee aussehen könnte, die nicht-binären Personen eine Kandidatur für alle Positionen ermöglicht. Die fzs-Delegation warb gemeinsam mit TOPICS für eine Frauen*-Quote und für die Abschaffung von Männerquoten.

Der Vorschlag die Amtszeiten der Vorstandsmitglieder zu verlängern, der zuvor intensiv diskutiert worden war, wurde durch die einhellige, von uns stark unterstütze Position der Ablehnung in diesem Panel beerdigt.

WS2 Gender Competences in Higher Education: Dr.in Iris Rauskala, BMBWF

Frau Dr. Rauskala hat einen sehr inspirierenden Vortrag über ihre tägliche Arbeit im BMBWF und insbesondere die Promotion von Gender-kompetenzen in der Hochschulbildung gehalten. Dieses basiert ihrer Auffassung nach auf verschiedenen Säulen. Einerseits müssen Vorteile formuliert werden, um auch Menschen ohne intrinsisch feministische Motivation an Bord zu holen, z.B. Pluralität von Perspektiven/Rollenmodelle,  Chancengleichheit, aber auch wirtschaftliche wie größere Effizienz. Vor diesem Hintergrund müssen nun Aufgaben formuliert werden. Empfehlungen umfassen Maßnahmen in Form von speziellen Trainings, Gelegenheiten zur Reflektion zu schaffen und Informationsprozesse hinsichtlich Gender-Kompetenzen anzupassen. darüber hinaus sollen Interventionen auf Management, Lehre und Forschung zielen.

Außerdem wurden noch die folgenden Workshops angeboten an denen niemand von der Delegation teilnehmen konnte (aufgrund der Priotitäten s.o.)

WS3 Bizmooc round table (working title): João Martins, ESU

WS4 Eurostudent Database: Mag.a Angelika Grabher, IHS

Anschließend fand das Women’s Meeting statt – zugleich gab es einen Workshop zu kritischen Männlichkeit, geführt von Caroline Sundberg, der ehemaligen Vizepräsidentin von ESU. Beim Womensmeeting wurde sich ausgetauscht über Frau*-Sein im Studentmovement und über Empowerment gesprochen. Es war ein gutbesuchtes Meeting.

Open Organizing Sessions

Nach dem Mittagessen folgten Open Organizing Sessions, also von den Mitgliedsverbänden selbst gestaltete Workshops.

OS1 LSVb

Es gab eine open session zu students loans and grants von LSVb (Niederlande). Es wurde sich über die verschiedenen Studienkredite und Finanzierungssysteme in den vertretenden Ländern ausgetauscht. LSVb plant verstärkt Studien zu dem Themenkomplex durchzuführen um damit Politik zu betreiben zu können.

OS2 NSO

NSO (Norwegen) bot eine Session zu den Beziehungen der NUS’es zu ihren Mitgliedern vor Ort an. Alle tauschten sich über ihre Verfahrensweisen aus. Vom fzs wurden insbesondere die HoPo-Einsteiger*innenseminare aufgegriffen. Den engsten Mitgliederkontakt hält UNEF(Frankreich), wo die Vorstandsmitglieder jeweils zwei Tage die Woche mit den lokalen Organisationen bei jenen arbeiten.

OS3 USI

Partnership with Government Departments / Ministries

Der Workshop, den die Irische Union durchführte hatte einen Fokus darauf gemeinsam mit den unterschiedlichen anwesenden Unions die verschiedenen Arten auf welche die Unions in ESU mit ihren Regierungen und Ministerien zusammenarbeiten zu kartieren und anschließend zu diskutieren wie eine verbesserte, bzw. vor allem wie eine formalisierte Zusammenarbeit erwirkt werden kann.

Grundsätzlich gab es keine gänzlich neuen Aspekte, aber es hat sich gezeigt, dass der fzs unter Unions die präsent waren was die enge der Zusammenarbeit mit Ministerien angeht sozusagen im Mittelfeld liegt. So sind wir bspw. in verschiedenen Gremien neben anderen Akteuren vertreten und haben Kontakt zu verschiedenen Mitarbeiter*innen im Ministerium, was deutlich mehr ist als bei einigen anderen Unions. Studierendenvertretungen wie die isländische oder die finnische wiederrum haben sehr engen strukturellen Kontakt und teilweise Berater*innenverträge oder vergleichbares.

Gender Session

Die Gendersession die von der Equality Coodinatorin Hélène Mariaud gehalten wurde, fand vor dem Hintergrund von Intersektionalität statt. Hélène führte für ESU-Verhältnisse eine recht progressive Session, die sich in verschiedenen Stufen dem Konzept der Intersektionalität näherte, und dabei jeweils unterschiedliche Wahrnehmungsstufen von Diskriminierung als Ausgangspunkt nahm und sich auch gewachsenen strukturellen Diskriminierungsformen und deren Kombination und dadurch neu entstehenden Diskriminierungsformen annäherte.

Podiumsdiskussion

An der Podiumsdiskussion nahmen Hannah Lutz (ÖH Vorsitz), Sigi Maurer (ehemalige ÖH Vorsitzende und ehemalige Nationalratsabgeordnete), sowie Oliver Vitouc (ehemaliger Vorsitzender der der Universitätenkonferenz, inzwischen Vizepräsident und Rektor der Uni Klagenfurt), sowie Robert Naipur (Vizepräsident von ESU) teil. Die Diskussion erstreckte sich über politisches Engagement von Studis, NAPs bis hin zur Wissenschaftsfreiheit in Europa. Auch in dieser Podiumsdiskussion wurde eine Kritik an dem Vorgehen der österreichischen Regierung recht deutlich.

Intercultural Night

Workshopphase 4

WS1 Social Dimension within the BFUG: Robert Napier, ESU

Die Sitzung zur Social Dimension war aus verschiedenen Gründen wichtig. Zunächst in Hinblick auf das Treffen der Bologna Follow Up Group in den Tagen nach dem ESC auf dem ESU einen wichtigen Schritt zur Etablierung einer Advisory Group zur Sozialen Dimension als Konsequenz aus dem Paris Communiqué gehen konnte. Entsprechend wurden die von ESU für das Meeting vorbereiteten Terms of Reference zu der Adivsory Group diskutiert, letzte Änderungen vorgenommen und möglichst Studierendenfreundliche Interpretationen und sich aus dem Dokument ergebende Handlungsoptionen herausgearbeitet. Außerdem war zu dem Workshop bereits klar, das die National Bologna Follow Up Group sich ggf. bereit erklären würde eine Person aus dem fzs in die advisory group zu delegieren. Entsprechend waren die Diskussionen in dem Workshop sehr wichtig für die weiteren Handlungen des fzs in Hinblick auf die Soziale Dimension in der EHEA.

Außerdem wurden noch die folgenden Workshops angeboten, bei denen niemand aus der Delegation teilnehmen konnte:

WS2 Communication kit: Raising awareness to ESU: Marta Nunez, ESU

WS3 Session on updating ESU‘s internationalisation and mobility policy- Katrina Koppel, ESU

Anschließend gab es noch eine Stadtführung, die Ricardo von der ÖH anbot. Hiernach reisten die Delegierten, die so lange durchgehalten hatten ab oder blieben noch in Wien um am Democratization-Seminar von ESU, ebenfalls in Wien teilzunehmen.

[1] https://www.youtube.com/watch?v=MTlSjRMx5Ic

 

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