60-8-AP-03 Arbeitsprogramm Ausschuss Frauen- und Genderpolitik

AntragstellerInnen:

Ausschuss Frauen- und Geschlechterpolitik

1. Themen und Kooperationen

1.1. Frauengesundheit

Bereits im letzten Jahr stand das Thema Frauengesundheit mit halbem Bein im Zentrum der inhaltlichen Auseinandersetzung im Ausschuss frauen- und genderpolitik. Dieses Jahr wollen wir hochoffiziell “Ja!“ zum Thema sagen und es zu einem unserer Schwerpunkte erklären.

Die sogenannte Kompromisslösung für Schwangerschaftsabbrüche aus dem 90er Jahre ist eine, in der die Frauen* und die durchführenden Ärzt*innen nach wie vor kriminalisiert werden. Damit muss ein Ende sein! Daher muss die Diskussion rund um die Legalisierung von Schwangerschaftsabbrüchen wach gehalten und in unserem Sinne – also der Legalisierung – entschieden werden. Nach dem medienwirksamen Urteil gegen Kristina Hänel und dem Aufflammen einer Empörung darüber, dass weder die Information über noch die Durchführung von Schwangerschaftsabbrüchen in Deutschland legal sind, gilt es Student*innen für den Kampf für die Streichung von §§218 und 219a StGB zu mobilisieren.

Der Ausschuss frauen- und gender wird im nächsten Jahr zum einen die bereits bestehenden Kontakte zu den Medical Students for Choice und weiteren studentischen Gruppen, die sich explizit mit den Themen Schwangerschaftsabbruch und Frauengesundheit widmen – zum Beispiel den Bloody Maries – ausbauen. Hier wird auch der Kontakt zu Gruppen außerhalb Deutschlands gesucht, zum Beispiel dem studentischen Teil der Yes-Kampagne aus Irland, die erfolgreich dazu beigetragen haben, dass der achte Verfassungszusatz, der in Irland Schwangerschaftsabbrüche untersagt hat, gestrichen wird und Schwangerschaftsabbrüche in Irland bis zur zwölften Woche legalisiert werden sollen. Desweiteren fasst der Ausschuss die Zusammenarbeit mit folgenden Organisationen ins Auge: ProFamilia, dem bundesweiten Bündnis für sexuelle Selbstbestimmung, der Gruppe Solidarität mit Kristina Hänel und dem Deutschen Juristinnenbund. Ein weiteres Ziel ist es die jeweiligen Fachgruppen ausfindig zu machen, die für Studien- und Ausbildungscurricula zuständig sind, um mit ihnen darüber ins Gespräch zu kommen, die entsprechenden Programme auf den Stand der Zeit zu bringen und das Thema Schwangerschaftsabbruch aus der Schmuddelecke zu holen. Erste Ansätze für die diese Arbeit werden auf dem Seminar zu Frauengesundheit besprochen.

Jedoch soll die Arbeit des Ausschusses nicht beim Thema Schwangerschaftsabbrüche stehen bleiben. Zum einen unterstützt der Ausschuss den Ausschuss Sozialpolitik bei der Überarbeitung der Broschüre “Studieren mit Kind“, zum anderen sammelt der Ausschuss für Student*innen relevante frauengesundheitspolitische Beiträge und Wissensbestände und macht diese zugänglich. Ziel ist dabei allerdings nicht die Gesundhaltung von Frauen*körpern sondern vielmehr die Ermöglichung der Selbstermächtigung über diesen Körper.

1.2. Frauen* und Technik

Die Themen Digitalisierung und Datenschutz spielen in der heutigen Welt eine große Rolle. Sowohl im universitären als auch im privaten Kontext sind technische Fähigkeiten bezüglich Datenschutz sowie Onlineauftritt von hoher Relevanz. Trotz verstärkter gleichstellungspolitischer Fördermaßnahmen sind diese ‚technischen‘ Themen für Frauen meistens verschlossen bzw. mit Gefühlen der Angst besetzt. Wir wollen dem entgegenwirken, indem wir ein Seminar organisieren, dass Frauen* aus technischen – und fachhochschulischen Bereichen und den MINT-Fächern mit Geisteswissenschaftlerinnen zusammenbringt. Der Abbau der Barriere zwischen geisteswissenschaftlichen und technischen Studienfächern ist unserer Auffassung nach ein wichtiger Schritt zum Verständnis sowohl technischer Umwelten wie auch solidarischen Handelns. Daher möchten wir eine feministische und frauen*orientierte Auseinandersetzung mit Technologie im Verband voranbringen, die wir in Form eines Seminars in Zusammenarbeit mit dem ASR (Ausschuss Studienreform) beginnen möchten. Das Seminar wird im Laufe der ersten Jahreshälfte 2019 stattfinden und konzentriert sich auf praktische und theoretische Auseinandersetzungen mit Digitalität aus feministischer Perspektive.

2. Projekte

2.1. gesellschaft*macht*geschlecht

Im November geht es wieder los! Dieses Mal soll es einen ganzen Aktionsmonat geben. Auch hier steht die Themen Schwangerschaftsabbruch und Frauengesundheit ganz oben auf der Agenda. Die Kampagnenkoordination (kein-sexismus@fzs.de) wird gemeinsam mit dem Ausschuss wieder für Fragen der Planung, Finanzierung und Durchführung sein. Um die Aktionstage gut einzuleiten wird es bis November einen monatlichen Newsletter geben, der rund um den Monatsanfang erscheint. Dort sollen beispielsweise Aktionsideen oder Referent*innen- und Veranstaltungshinweise geteilt werden.
Auf der Homepage zur Kampagne (kein-sexismus.de) werden die aktuellen Programme gesammelt und die Newsletter archiviert. Nach dem Aktionszeitraum erfragt die Koordination ein Feedback von den einzelnen aktiven Gruppen, um sich einen Überblick über das Geschehen bundesweit zu verschaffen. Das Feedback wird im Ausschuss rückbesprochen und gegebenenfalls Änderungen an der Arbeitsweise der Kampagnenkoordination erarbeitet.
Darüberhinaus wird ein Jahresablaufplan für die Kampagnenkoordination ausgearbeitet, so dass zukünftige Koordinationen die Stelle leichter übernehmen können. Der Ablaufplan wird mit dem Vorstand abgesprochen.

2.2. Soy y Estoy

(Sein und Bewusstsein. Das Private ist politisch. Ein Rollenspiel mit situiertem Blick)

In der kommenden Legislatur wird eine Teilgruppe aus FGP weiter an der Übersetzung, Lokalisierung und Weiterentwicklung des politischen Rollenspiels “Soy y Estoy“ (Sein und Bewusstsein / das Private ist politisch) arbeiten. Das Spiel ist ein Projekt aus Chile, das, von feministischen Aktivist*innen entwickelt, einen feministischen und bildungspolitischen Charakter hat. Am Ende der ersten Phase des Projektes soll im September 2018 ein Prototyp des übersetzten und in den deutschen Kulturraum übertragenen Spieles stehen.
Im September und Oktober wird der Designer und Macher des Spiels, Felipe Roman Osorio, in Deutschland sein. FGP plant für diesen Zeitraum in Berlin und Hannover hochschulpolitische Workshops, in denen das Spiel gespielt werden und als Tool für die politische Arbeit im Verband und in Hochschulgruppen besprochen werden kann.
Danach hoffen wir, einige Anregungen zur Erweiterung des Projektes bekommen zu haben, mit denen wir das Spiel ergänzen und für Studis und hochschulpolitisch Aktive noch relevanter gestalten können. Die Gruppe rund um das Spielprojekt wird sich noch 1 – 2 Mal bis September treffen und freut sich davor und danach über kompetenten Zuwachs. Zur Zeit besteht die Arbeitsgruppe aus 6 – 8 Personen.
Im Jahr 2018 stehen Digitalisierung und Promotion des Spiels an, wofür diverse Kooperationen mit Stiftungen, Universitäten, politischen Verbänden und Gruppen und Studierendenvertretungen bereits geplant sind. Im Zusammenhang mit diesen Kooperationen soll 2019 ein wissenschaftlicher Begleitband über die Methode, die Inhalte,die Herkunft,die Lokalisierung und die Einsatzmöglichkeiten des Spiels entstehen.

2.3. Agenda Kuir

Die Agenda Kuir (sprich: Agenda queer – eine transnationale Kooperation mit queerfeministischen Gruppen in Valparaíso Chile)
ist ein chilenisches, queerfeministisches Projekt. Es ist ein Taschenkalender, der sowohl queerfeministische Aktionen als auch Kunst- und Fotoprojekte und queerfeministische Texte in sich versammelt, die Theorie und Praxis erläutern und erklären. Die Agenda kuir gibt es bereits seit fünf Jahren. Der fzs hat im Rahmen der Arbeit des Ausschusses für  Frauen- und Genderpolitik den Druck der Agenda kuir finanziert. Es ist eine Übersetzung der Agenda ins Deutsche für 2019 geplant. Da sie das Schwesterprojekt des Spiels “Soy y Estoy“ ist, liegt auch dieses Projekt in Händen einer Teilgruppe von FGP, die sich zur Zeit mit dem Spiel beschäftigt, um dann Anfang 2019 mit der Übersetzung der Agenda zu beginnen, die dann auf deutsch ebenfalls als studentischer Taschenkalender eingesetzt werden kann.

3. Grundlagen und Methoden

3.1. Intersektionaler Feminismus

Wie in der vergangenheit auch schon,  legt der Ausschuss fgp auch im kommenden Jahr einen Fokus auf eine feministische Arbeit, die auch in anderer Hinsicht herrschaftskritisch ist und miteinbezieht, dass sexistische Gesellschaften viele Facetten haben. So will der Ausschuss in den kommenden Monaten verstärkt am Zusammenhang Sexismus-Rassismus arbeiten und ermöglichen, dass der Verband die eigene antirassistische Arbeit feministisch unterfüttert.

3.2. Feministische Wissenschaft

Daran anschließend ist es eines der Anliegen des Ausschusses im kommenden Jahr, die Wissensressourcen der Ausschussmitglieder zu nutzen, um einen interdisziplinären Austausch zu ermöglichen und der Öffentlichkeit zugänglich zu machen, indem wir verstärkt Calls for Paper wahrnehmen werden und uns an inhaltlichen Diskussionen beteiligen. Folgende Kommunikationsformate möchten wir aufbauen bzw. nutzen. Auf der Webpräsenz des Ausschusses auf der (zukünftig überarbeiteten) Seite des fzs, werden vom Ausschuss produzierte Podcasts, Aufsätze, Essays und verschriftlichte Gespräche, die dem Verband und anderen Interessierten zugänglich gemacht werden. Das dient unter anderem zum Auf- und Ausbau eines interdisziplinären studentisch-feministischen Forschungsnetzwerkes, für das wir – unter Berücksichtigung der Kapazitäten des Ausschusses – unseren feministischen Rundbrief mit aktuellen Informationen, Texten und Veranstaltungen weiter am Leben halten wollen.

3.3. Verbandsinterne feministische Arbeit

Der Ausschuss will sich damit beschäftigen, Frauen für verantwortungsvolle Posten zu motivieren und zu stärken. Dafür ist eine Zusammenarbeit mit den Antidiskriminierungsbeauftragten elementar. Dieser Austausch soll im nächsten Jahr verstärkt werden, um einerseits Frauen mit den Kompetenzen zu versehen, die sie in die Lage versetzen solche Aufgaben zu übernehmen. Andererseits, um eventueller, aus weiblicher Sozialisierung resultierender Zurückhaltung zu begegnen. Im Sinne dieses Arbeitsprogrammes ist es, dass Selbstständigkeit und Verantwortung der Gremien im fzs gestärkt werden, sodass eine solidarischere Zusammenarbeit im Verband ermöglicht wird.

3.4. Begriffsarbeit

Zuletzt war an den Ausschuss der Wunsch und der Auftrag herangetragen worden, einige Begriffe, die sowohl in den Anträgen des Ausschusses, als auch in der Satzung selbst vorkommen, zu definieren. Der Ausschuss wird seine im letzten Jahr  diesbezüglich begonnene Begriffsarbeit fortsetzen. Der Ausschuss tut das allerdings mit der Einschränkung, dass eine rein definitorische Arbeit lediglich für Bezeichungen möglich ist.

Der Ausschuss vergegenwärtigt sich, dass, wenn es sich jedoch um einen Begriff handelt, es dem begriffenen Gegenstand wesentlich ist, dass ein Bewusstsein von ihm existiert, nämlich in Form des Begriffs. Beispielsweise schert sich die Sonne wenig darum, wie wir sie bezeichnen. Das Geschlechterverhältnis, worauf sich die Arbeit des Ausschusses fgp konzentriert, ist  wesentlich davon geprägt, ob es beispielsweise als patriarchal begriffen wird und deshalb von einem Patriarchat gesprochen wird. Der Ausschuss wird sich also im folgenden der Begriffsarbeit in dem Bewusstsein zuwenden, dass es durch diese Verwobenheit von Gegenstand und Begriff unmöglich ist, den Begriff einfach zu definieren. Genau anzugeben, was das Patriarchat ist, kann nur die Entwicklung eines Begriffs des Geschlechterverhältnisses bedeuten, dieses also zu begreifen.

Das ist wesentlicher Teil Arbeit des Ausschusses und kann kaum nebenbei geschehen. Der Ausschuss begreift jede theoretische Überlegung, die in seinen Texten entfaltet wird, als Teil dieser Bemühung. Der Ausschuss wird daher auch versuchen, relevante Diskussionen zu verschriftlichen und zugänglich zu machen. Dabei bleibt der Ausschuss offen für Vorschläge und Diskussionbeiträge, die die Begriffe, mit denen der Verband arbeitet, im Gespräch halten und entwicklungsfähig machen können.

4. Organisatorisches

Der Ausschuss wird sich in der nächsten Legislatur auf Projektarbeiten aufteilen und konzentrieren und sich daher ein Mal weniger treffen.

Der Ausschuss hat, wie aus dem Arbeitsprogramm ersichtlich wird, zur Zeit mehrere Teilrojekte (Soy y Estoy, Agenda Kuir, intersektionaler Feminismus, Reverse, Rundbrief, GMG, Frauengesundheit). Dementsprechend möchte der Ausschuss seine Treffen projektorientierter gestalten und so seine Arbeit auch für mehr Menschen zugänglich machen. Indem der Ausschuss eine themen- und projektbezogenere Arbeit organisiert, können gezielt Menschen eingeladen werden, die zu einzelnen Themen arbeiten und so in die Ausschussarbeit miteinbezogen werden.

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