58-7-I-04 Bildung für eine Nachhaltige Entwicklung verankern und leben

AntragstellerInnen:

Arbeitskreis Ökologie und Nachhaltigkeit

Hochschulen tragen gesellschaftliche Verantwortung, auch für die nachhaltige Entwicklung der Gesellschaft. Nachhaltige Entwicklung beschreibt den kontinuierlichen Prozess zur globalen Gerechtigkeit in Gegenwart und Zukunft. Dabei hängen soziale und ökologische Fragen eng zusammen und dürfen nicht gegeneinander ausgespielt werden. Dafür ist die Änderung des Wirtschaftssystems unerlässlich. Für den fzs kann es dabei nicht darum gehen, den Kapitalismus zu “begrünen“ oder isoliert eine Abkehr von der Wachstumsdogmatik zu fordern ohne die Ursachen der aktuellen Kapitalverhältnisse zu beleuchten. Im Rahmen der Diskussion um Nachhaltige Entwicklung möchte der fzs vielmehr dazu anregen, die Verknüpfung von Kapitalverwertungslogik, Umwelt- und Klimazerstörung sowie Ausbeutung kritisch zu beleuchten.
Der fzs versteht Nachhaltige Entwicklung als Querschnittsthema und Bildung für eine Nachhaltige Entwicklung als einen zentralen Bestandteil dessen.

Bildung für eine Nachhaltige Entwicklung bedeutet eine Transformation des Bildungssystems. Ein Studium sollte es ermöglichen Kenntnisse, Fähigkeiten und Bereitschaft zu erlangen, Systeme zu verstehen, zu kritisieren und zu verändern. Hierfür ist ein umfassendes Wissenschaftsvertändnis notwendig, welches auch eine Reflexion bislang unbekannter Probleme und eine Reflexion über die Bedeutung von Lerngegenständen für das eigene Leben ermöglicht. Gegen die Ideologie der Zweckrationalität in der sog. “unternehmerischen Hochschule“ muss angegangen werden.

Inhaltlich sollte durch das Studium die Möglichkeit gegeben werden, sich mit Themen der Nachhaltigen Entwicklung auseinandersetzen zu können. Als inhaltliche Orientierung kann die Agenda 2030, in der sich die UN auf 17 Nachhaltige Entwicklungsziele verständigt hat, dienen. Hierbei besteht die Notwendigkeit, die Möglichkeit einzuräumen Institution und Inhalte kritisch zu hinterfragen, zu verändern und zu ergänzen. Thematisch geht es z.B. um Erhalt der Biodiversität, Nutzung sauberer Energie, Armutsbekämpfung, gleiche Rechte für Frauen*, Bildung für alle und globale Partnerschaft.

Diese Auseinandersetzung muss mehr als reine Wissensvermittlung sein. Sie muss kritisch, praktisch, fachbezogen und interdisziplinär möglich sein. Eine Verknüpfung von Forschung und Lehre ist dafür sehr sinnvoll, z.B. durch kleine Forschungsprojekte und forschendes Lernen.
Studierende sollten die Möglichkeit erhalten und nutzen ihre Lernprozesse selbst (mit)zugestalten. Dazu gehört auch, anzuerkennen, dass ein scheinbares Scheitern (z.B. eines Projektziels) zu wichtigen Erkenntnisse führen kann und deshalb diese Auseinandersetzung Raum zum Ausprobieren braucht.
Das eigene Erarbeiten von Lernzielen auf Grundlage einer bestehenden Problemstellung und ggf. Literatur – wie im problembasierten Lernen -, ermöglicht statt eines oberflächlichen Lernens ein tiefer gehendes Verständnis der fachlichen Inhalte sowie deren wissenschaftlicher und gesellschaftlicher Bedeutung. Dafür ist auch eine (breite) interdisziplinäre Bearbeitung nötig. Interdisziplinarität ist hier nicht (nur) gemeint als Überbegriff für Zusammenarbeit verschiedener Disziplinen, sondern beschreibt explizit ein Miteinander statt Nebeneinander. Erst durch das tatsächliche Miteinander werden Grenzen, implizite Annahmen und Möglichkeiten des eigenen Faches tatsächlich erfahrbar. Auch dem gemeinsamen Gegenstand der Auseinandersetzung wird diese Herangehensweise umfassender gerecht.

Bildung für eine Nachhaltige Entwicklung beschreibt nicht nur inhaltliche und didaktische Überlegungen, sondern erfordert auch ein Umdenken in der Organisationsentwicklung. Hochschulen sollten Orte werden (und sein), wo Menschen, die aktiv sein wollen sich einbringen können, gehört werden und auch tatsächlich mitgestalten. Das heißt beispielsweise, dass Studierendenvertretungen nicht permanent um die Legitimation ihres politischen Auftrags kämpfen müssen. Das bedeutet auch, dass die Gebäude einerseits zugänglich und offen sind sowie andererseits auch der inhaltlich-didaktischen Ebene gerecht werden – also auch räumlich zu Umweltschutz, Inklusion, fairen Arbeitsbedingungen, vertieftem sowie interaktiven Lernen und somit Bildung für eine nachhaltige Entwicklung beizutragen.

Um Bildung für eine Nachhaltige Entwicklung mit ihrer inhaltlichen, didaktischen und strukturellen Dimension umzusetzen braucht es unter anderem:

  • eine langfristige Ausfinanzierung für ein freies, verantwortungsvolles sowie kritisches Wissenschaftssystem
  • einen Diskurs daüber wie politisch Wissenschaft sein kann, über Meinungsäußerung und Menschenrechtslage im Generellen sowie über die Ziele des Wissenschaftssystems
  • internationale Zusammenarbeit für freie und kritische Lehre und Wissenschaft
  • selbstkritische Berichte mit einem reflexiven Ansatz, welche eine echte Entwicklung zur systematischen Integration von Bildung für eine Nachhaltige Entwicklung ermöglichen und einen Diskurs über die Umsetzung in Forschung, Lehre, Betrieb und Organisationsentwicklung
  • Weiterbildungsangebote, u.a. für studentische Akteur*innen und Lehrende
  • Verankerung in Landeshochschulgesetzen und im Akkreditierungswesen von Bildung für eine nachhaltige Entwicklung in allen Bereichen der Hochschulen
  • kosten- und barrierefreien Zugang zu wissenschaftlichen Texten
  • Rahmenbedingungen und Formate zur Einbringung studentischer Ideen und Konzepte, dazu gehören u.a. politische Mandate, selbstverwaltete Räume und unabhängige Finanzierung
  • studentische Ansprechpartner*innen bspw. durch Nachhaltigkeitsreferate, die Studierende in ihrem Engagement unterstützen können sowie gemeinsam veränderte Rahmenbedingungen einfordern
  • Erarbeitung von Strategien wie interdisziplinäre Zusammenarbeit realisiert werden kann
  • Qualitätskriterien der Lehre, die Mitbestimmung der Studierenden über ihren Lernprozess in den Fokus stellen und auch studentische Forschungsprojekte unterstützen und ermöglichen

Der fzs hat sich in diesem Sinne verpflichtet u.a. mit Vernetzungstreffen, politischer Bildungsarbeit, Redebeiträgen, Sammlungen guter Beispiele und Leitfäden bzw. Übersichtsdokumente in Zusammenarbeit mit anderen Akteuer*innen im Rahmen des Nationalen Aktionsplans Bildung für eine nachhaltige Entwicklung und darüber hinaus zur Nachhaltigen Entwicklung der Gesellschaft beizutragen.

Begründung:

erfolgt mündlich

    Änderungsanträge

    Zeile AntragstellerInnen Text Begründung Verfahren
    75 KASAP

    Streiche “und im Akkreditierungswesen“

    In den aktuellen Umwälzungen des Akkreditierungswesens sollte der Schwerpunkt der studentischen Akteur*innen auf den Einsatz für die Stärkung der studentischen Beteiligung liegen. Das Ziel des Akkreditierungswesens sollte das Sicherstellen der Studierbarkeit von Studiengängen sein. Bevor das Thema Nachhaltigkeit Einzug in die Akkreditierung und die Qualität von Studium und Lehre finden kann, sind jedoch größere Baustellen zu bearbeiten.

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    Zeile




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