59-8-S-02 Antrag: Feminisimus als Querschnittsthema

AntragstellerInnen:

Ausschuss für Frauen-und Geschlechterpolitik (fgp)

Sexismus, Rassismus, Klassismus, Ableismus, Homo- und Transfeindlichkeit usw. sind Themen, die sich im Bereich der Hochschule und ihren sozialen Räumen überall finden lassen. Sie betreffen Bereiche der Ökonomie, d.h. der Bezahlung in wissenschafltichen Arbeitsfeldern (Ökonomie und Finanzen), der sozialen Ordnung an Hochschulen im Sinne einer Klassifizierung und Rassifizierung von Studierenden und deren Möglichkeit zur Teilhabe an Wissensproduktion (Sozialpolitik), der öffentlichen Teilhabe an Hochschule und Wissenschaft und damit auch der Sichtbarkeit von sogenannten Minderheiten und deren Standpunkten innerhalb von Bildungsinstitutionen (VSPM). Darüber hinaus spiegeln sich sowohl in den strukturellen Bedingungen, die Hochschulsysteme implementieren (NCs, Regelstudienzeit, Bafögregelungen usw.) oftmals vorstrukturierte Ausschlüsse, die sich dann auf inhaltlicher Ebene (Inhalte und Art der Lehre und Forschung, Methoden und Ergebnisse der Forschung) fortsetzen. Und auch auf internationaler Ebene sind Themen der Gleichberechtigung und des Abbaus von sozio-ökonomischen Hürden ein zentrales Thema, das alle Studierenden betrifft. 

All das verweist darauf, dass der fzs als Verband sich in all seinen inhaltlich arbeitenden Ausschüssen diese Mechanismen vorlegen und sie mit zum Gegenstand seiner Politiken und inhaltlichen Auseinandersetzungen machen muss. 

Der Ausschuss für Frauen- und Geschlechterpolitik allein kann den Anforderungen eines intersektionalen Feminismus, der auch die Aufgabe hat, alle angrenzenden und zusammenhängenden Diskriminierungsformen zu untersuchen und politisch im Sinne des Gesamtverbandes zu verarbeiten, nicht gerecht werden.

Der Ausschuss sieht es als folgerichtige Konsequenz eines vom Verband geforderten intersektionalen Feminismus, dass die angesprochenen Diskriminierungsformen und ihre Auswirkungen auf die Hochschule Querschnittsthema des Verbandes und seiner inhaltlich arbeitenden Ausschüsse werden. 

Ziel ist es, “allgemeine“ hochschulpolitische Themen zu nuancieren und mit feministischen und antidiskriminierenden Perspektiven anzureichern, sodass einerseits die reale Durchdringung verschiedener Bereiche der Hochschulpolitik mit Diskriminierung sichtbar gemacht werden kann. Andererseits kann eine Arbeitsteilung stattfinden, die Feminismus, Antirassismus usw. nicht zur Aufgabe Betroffener erklärt und einfordert, dass alle hochschulpolitisch Aktiven die Kompetenzen erwerben, sich mit diesen Themen in ihren jeweiligen Arbeitsbereichen auseinanderzusetzen. 

Die Mitgliederversammlung des fzs beschließt hiermit, dass alle aktiven inhaltlichen Ausschüsse im Sinne der Beschlüsse der Mitgliederversammlungen intersektionale Themen in ihre Arbeit miteinbeziehen. 

Begründung:

Das vom Ausschuss fgp vorgelegte Arbeitsprogramm, wie auch inhaltliche Anträge des Ausschusses sind auf den vergangenen zwei Mitgliederversammlungen kontrovers diskutiert worden. Dabei kam es immer wieder zu Forderungen des Plenums an den Ausschuss bezüglich der feministischen Arbeit im Verband. So wurde etwa die Forderung erhoben, fgp solle sich stärker Themen des intersektionalen Feminismus zuwenden. Intersektionaler Feminismus verweist auf die Verwobenheit verschiedener Formen von Unterdrückung, Diskriminierung und Machtverhältnisse, d.h. z.B. Rassismus, Klassismus, Ableismus, Queerfeindlichkeit usw. Während fgp diese Zusammenhänge durchaus anerkennt und auch zu ihnen arbeitet, wie in unseren Berichten nachzulesen, haben wir den Antrag trotzdem abgelehnt, im Folgenden aber wurde dem Ausschuss die Ablehnung durch aggressive Redebeiträge aus dem Plenum vorgeworfen. 

Nun sind wir der Ansicht, dass die oben genannten menschenfeindlichen Praxen zu entkräften, zu analysieren oder gar zu beseitigen, nicht Aufgabe von (wenn der Ausschuss vollzählig ist) 10 Feminist*innen ist oder sein kann. Vielmehr handelt es sich um einen im besten Fall solidarisch geführten, alltäglichen wie umfassenden Kampf. Feminist*in zu sein ist, wenn man es ernst meint, ein 24/7 Job, der emotional, physisch, psychisch, sozial und nicht zuletzt ökonomisch kräftezehrend ist. Dies ist einer der Gründe, aus denen sich beispielsweise viele feministische Women of Color nicht in der Hochschulpolitik engagieren können, da sie oft Mehrfachbelastungen ausgesetzt sind, die (unentgeltliche) politische Arbeit schwieriger zu bewerkstelligen machen - das bestehende Hochschulsystem und fortschreitende rassistische gesellschaftliche Prozesse verstärken diese Problematik.

Hinzu kommt, dass Feminismus historisch und praktisch tatsächlich auch die Verteidigung der Rechte anderer diskriminierter Gruppen beinhaltet, weil mit dem Bewusstsein für die Entmündigung weiblicher Subjekte oft auch die Einsicht in die anderer entmündigter Akteur*innen folgt (sprechende Beispiele dafür sind die Solidarisierungen zwischen Feminist*innen und Queeraktivist*innen, feministische Teilnahme and Tierrechtsbewegungen und ökologischen Themen, postkolonial-feministische und antirassistische Querschnittsthemen und vieles mehr).

Wir als Feminist*innen sehen uns durchaus in der Verantwortung, eine gerechte Gesellschaft für alle einzufordern und im Rahmen unserer eigenen Ressourcen Projekte umzusetzen, die das abbilden. Andererseits sehen wir auch alle anderen Menschen mit einem emanzipatorischen Anspruch in genau dieser Verantwortung. Emanzipation ist keine Einbahnstraße und es ist aus Sicht des Ausschusses keine sinnvolle Herangehensweise, Ansprüche an feministische Arbeit zu formulieren und selbst keinen Beitrag dazu zu leisten, bzw. sich Illusionen darüber zu machen, wie viel Feminist*innen auffangen können. Wir empfehlen daher dringend, eigene Praxen zu entwickeln, die einen Eindruck davon vermitteln können, was feministische Arbeit im Einzelnen bedeutet. 

    Änderungsanträge

    Zeile AntragstellerInnen Text Begründung Verfahren
    1 fgp-Ausschuss

    Ersetze den ersten Satz durch:

    Sexismus, Rassismus, Klassismus, Ableismus, Homo- und Trans*feindlichkeit usw. sind Themen, die sich im Bereich der Hochschule und ihren sozialen Räumen überall finden lassen.

    32 Ausschuss Frauen- und Genderpolitik

    Streiche das Wort “Diskriminierung“ und ersetze es durch “patriarchale Gewalt“

    Während Diskriminierung an dieser Stelle ein allgemeiner Begriff ist, der sehr stark an die betroffenheitsperspektive von Subjekten gebunden ist, kann der Begriff der patriarchalen Gewalt sowohl überpersonelle Strukuren wie auch personlle Handlungen abbilden. Der Begriff des Patriarchats bündelt außerdem viele Formen der Machtausübung, nicht nur solche gegen Frauen*.
    32/3 VS Uni Heidelberg

    Ersetze “Diskriminierung“ durch “diskriminatorische Gewalt“

    ÄA32 ausschuss fgp

    Modifiziere den Änderungsantrag zu Zeile 32 zu

    Ergänze nach “Diskriminierung“

    “und patriachaler Gewalt“

    Ergebnis der Debatte, weiteres mündlich

    Änderungsantrag zu 59-8-S-02 erstellen

    Zeile




    AntragstellerInnen



    (wird nicht veröffentlicht)

    (wird nicht veröffentlicht)

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